Seit (ungefähr :-) Anfang der Steinzeit wird der Welthandel in US-Dollar abgerechnet. Fast alle Exportgüter werden also in Dollar bezahlt – nicht nur Elektronikramsch aus China, Billigtextilien aus Vietnam etc., sondern auch in sich werthaltige Rohstoffe wie Gold, Silber, Gas und Erdöl.
Im Verlauf der Zeit hat sich der US-Dollar stillschweigend als Welt-Reservewährung etabliert – was durchaus irgendwie sinnvoll war, solange dieser an den Goldpreis gekoppelt war. Solange der Ölscheich aus Saudi-Arabien seine Dollars jederzeit zu einem garantierten Kurs gegen Gold tauschen konnte, brauchte er sich keine Sorgen zu machen und ruhte sanft.
Seit dem 15. August 1971 ist dies leider nicht mehr der Fall: An diesem Tag annullierte Präsident Nixon praktisch den Bretton Woods-Vertrag von 1944, insbesondere die Verpflichtung der USA, Dollar jederzeit gegen Gold zu tauschen zum festen Kurs von 35 Dollar / Unze. Seitdem ist die Dollarnote nur noch ein Stück Papier, das verspricht, „einen Dollar wert zu sein“. Seitdem kann der Ölscheich für seine Dollarmilliarden immer weniger kaufen und macht sich immer mehr Sorgen. Schlafen tut er auch nicht mehr so gut.
Der Amerikaner an sich durfte auch plötzlich seine (bereits entwerteten) Dollars nicht mehr zum Kauf von Edelmetall benutzen: Der private Goldbesitz wurde schlicht verboten. Erst 1974 hob Präsident Ford dieses Verbot wieder auf, immerhin.
Selbstverständlich schicken die Amerikaner nicht palettenweise Papiergeld nach China, Japan, Indien oder sonstwohin, sondern sie 'bezahlen' ihre Schulden mit Staatsanleihen – die bringen immerhin (zumindest theoretisch) noch Zinsen. Aber was ist eine amerikanische Staatsanleihe wert? Das hängt in erster Linie ab vom Vertrauen der Gläubiger, dass der Schuldner seine Verpflichtungen erfüllen kann. Solange das Vertrauen besteht, finden sich Käufer (oder soll ich sagen: Dumme?)
Dieses Vertrauen ist allerdings erheblich gesunken. Ich (als Nicht-Insider) weiß seit mehr als zwei Jahren, dass Staaten wie China, Russland und Indien MASSIV ihre Dollars gegen (physisches!) Gold tauschen – und das im dreistelligen Tonnen-Bereich. Zwar mit Verlust, aber was soll's?
Weitere Anzeichen dafür, dass der Dollar als Reservewährung ausgedient hat:
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Uns Wladimir P. Aus Russland drängt seit Jahren darauf, Öl und Gas gegen (selbst schwächelnde) Rubel zu verkaufen;
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Chinas Handel mit Brasilien und Indien wird zunehmend in Lokalwährung abgerechnet;
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Die UNO (genauer: UNCTAD) befürwortet inzwischen auch eine internationale Kunstwährung ('Sonderziehungsrechte')
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China ist zum Nettoverkäufer von Dollars geworden, verkauft soviel wie möglich ohne den Kurs total einbrechen zu lassen;
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China kaufte kürzlich Anleihen des IWF im Gegenwert von (derzeit) 75 Mrd. $ - gegen Yuan.
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Carrytrader spekulieren im großen Stil gegen den Dollar: Verschulden sich zu beinahe 0% Zinsen in $, tauschen diese gegen solidere Währungen mit höherer Verzinsung in der begründeten Hoffnung, dass zum Rückzahlungstermin der Dollarkurs erheblich gefallen ist.
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