Montag, 24. August 2009

Am 22. August 2009 war nichts, oder?




Richtig. Auf den ersten Blick, zumindest. Keine Großbank ist zusammengebrochen. Es gab keinen Anschlag auf die Energieversorgung der U.S.A., auch keine Naturkatastrophe. Soziale Unruhen in den Vereinigten Staaten blieben aus.
Aber:

  • Am Wochenende wurden wieder 4 U.S.-Banken geschlossen, darunter die „Guaranty Bank“ (sic!) in Austin,Texas – eine der größten Regionalbanken. Bisher 2009 in den USA also total 81 Bankpleiten (Vorjahr: 27). Ein klares Zeichen für einen beginnenden Aufschwung der Weltwirtschaft, sagen die Experten.
    Was mich etwas beunruhigt, ist dass in den letzten Monaten zunehmend kleine Lokalbanken pleite gehen – ein Zeichen dafür, dass zunehmend kleine und mittlere Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Der wöchentliche Bankenpleiten-Count kann hier verfolgt werden: http://www.fdic.gov/bank/individual/failed/banklist.html

  • Die „Recess Rally“ (Recess heisst ungefähr 'Parlamentsferien') fand statt, hat allerdings anscheinend nicht die von den Veranstaltern erhoffte Teilnehmerzahl erreicht. Vollständige Daten sind noch nicht verfügbar; meine Schätzung geht von ungefähr 100.000 Demonstranten landesweit aus. Trotzdem sollte diese Bewegung nicht unterschätzt werden: Amateurvideos auf Youtube (Suchbegriff: Recess Rally) zeigen keineswegs rechtsradikale Patriotenspinner, sondern anscheinend ziemlich normale Bürger, die mit ihrer Regierung insgesamt unzufrieden sind. Die stehen auch brav am Straßenrand und halten ihre selbstgebastelten Protestschilder hoch. Vordergründig geht es um Obamas Gesundheitsreform, eigentlich aber um mehr: Auch der (ökonomisch relativ ungebildete) amerikanische Durchschnittsbürger hat das Bauchgefühl, dass die irrsinnige, durch das Anwerfen der Geld-Druckmaschine 'finanzierte' Rettung der Bankster letztendlich auf ihren Steuerzahler-Schultern lastet, und denen ihrer Kinder und Enkel. Der Amerikaner – im Unterschied zum Europäer – hat irgendwann die Nase voll und geht auf die Straße, um seine verfassungsmäßig garantierten Rechte einzufordern. Auch wenn der Anteil der (aktiv) teilnehmenden Bürger sich momentan im Promille-Bereich bewegt, hat diese Bürgerbewegung Potential. Dass die Mainstream-Medien darüber nicht berichten, ist keine Überraschung - abgesehen davon, dass die Regierung den Ball möglichst flach halten will, sieht auch der bekannt rechtslastige Sender FOX in einer Demonstration von etwa 200 Bürgern vor z.B. dem Büro des Abgeordneten in einem Kaff in West Virginia keine „Breaking News“.
    Sicherlich sind solche Protestbewegungen (zumindest teilweise) von Interessengruppen angefacht und gesteuert - aber was macht das für einen Unterschied? Relevant sind einzig die Resultate, und die könnten gravierend sein.

  • Die amerikanische Regierung kündigte am Wochenende an, dass das ohnehin schon irrsinnige Budget-Defizit von 10 – 11 Billionen $ sich für die nächsten 10 Jahre um weitere 2 Billionen $ erhöhen wird. (Wir reden hier nicht von Staatsschulden – die sowieso jenseits von Gut und Böse sind), sondern von der Differenz zwischen Staatseinnahmen und -Ausgaben) Das nennen die Experten 'solides Wirtschaften'. Eine Erholung der Weltwirtschaft ist demnach eigentlich unvermeidlich, oder? Die Märkte bewegen wird diese Nachricht natürlich nicht so richtig – höchstens Insider werden langsam „Short“ gehen.
Wie gesagt – ich lasse mich ungern auf ein fixes Datum festnageln; mein Zeitfenster ist nach wie vor intakt. Warten wir's ab; eventuell ist auch noch die zweite Septemberwoche interessant.

Mittwoch, 19. August 2009

Ist die Finanzkrise vorbei?


Alle Experten sagen: JA! Die Wirtschaftsforscher, Ökonomen, Banker, Börsengurus und Politiker sind sich hierin einig – es geht wieder aufwärts!
Selbstverständlich glaube ich ihnen; es sind schließlich genau die selben Experten, die die Krise nicht vorhergesehen haben und auch für „Nicht vorhersehbar“ erklärt haben. Die selben Experten, die nachträglich erkannten, dass die Krise durch eine Geldschwemme, niedrige Zinsen und ungezügelte Kreditvergabe ausgelöst wurde. Die selben Experten, die inzwischen die Krise durch noch mehr Liquidität, noch niedrigere Zinsen und noch mehr Kredite erfolgreich bekämpft haben.
Es gibt andere Leute, welche das Gegenteil behaupten: Die Finanzkrise ist nicht nur nicht vorbei, sondern sie hat noch gar nicht richtig angefangen. Einige dieser Leute haben schon vor Jahren vor dem Platzen der Immobilien- und Kreditblase gewarnt, aber das waren bestimmt Zufallstreffer – also können sie keine Experten sein. Nennen wir sie Amateure, oder Dilettanten? (Experten bevorzugen die Labels „Schwarzmaler“ oder „Berufspessimisten“).
Einige meiner dilettantischen Amateurquellen meinen, dass demnächst etwas passieren wird, was die Richtung der Finanzmärkte entscheidend beeinflusst. Seltsamerweise nennen sie alle ein exaktes Datum: den 22. August 2009. (Ich als Ober-Amateur denke lieber in Zeitfenstern; hier letzte August- / erste Septemberwoche)
Je nach Orientierung halten meine Dilettanten verschiedene Ereignisse für möglich:

  • Der Investmentguru glaubt an den Crash einer großen US-Bank;
  • Der Verschwörungstheoretiker an einen Anschlag auf die Energieversorgung der U.S.A.
  • Der Politikbeobachter an Unruhen in den U.S.A
Der 22. August ist ein Samstag, also ein guter Tag für schlechte Finanznachrichten: Die Märkte sind geschlossen, und die 'Big Players' hätten Zeit, bis Montag ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen (während der Kleinanleger bis Montag handlungsunfähig ist).
Gleichentags soll angeblich der iranische Atomreaktor in Busher hochgefahren werden. Das dürfte allenfalls israelische Militärfalken interessieren; die Bombardierung der iranischen Atomanlagen steht bei mir allerdings erst Ende Oktober / Anfang November auf dem Programm.
Ebenfalls beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan - das halte ich allerdings für wenig relevant: Anhänger des Islam sind in dieser Zeit eher zum Frieden verpflichtet (2001 begann der Ramadan im November)
Als 'Anschlag auf die Energieversorgung' könnte man auch eine Naturkatastrophe interpretieren wie etwa einen Kategorie 5-Hurrikan im Golf von Mexiko. Hurrikan "Bill" ist dafür zu weit weg und zu schwach. Vielleicht ein 7+ Erdbeben? 
Schließlich gibt es noch den Aufruf der 'TeaParty'-Aktivisten, am 22.8. landesweit vor allen Abgeordnetenbüros massiv zu protestieren. Falls die Organisatoren genug Leute auf die Beine bringen, könnte die Aktion durchaus die Finanzmärkte bewegen (Einige meiner Quellen sehen in dieser Graswurzelbewegung sogar den Beginn der Zweiten Amerikanischen Revolution)
Das Wochenende verspricht spannend zu werden...